Königinnenzucht im direkten Verfahren – Wie gehen wir vor?

14. März 2020

Königinnenzucht im direkten Verfahren

Dies ist ein überarbeiteter Artikel aus dem Jahr 2014.

In diesem Jahr (2014) haben wir zum ersten Mal versucht mittels Zuchverfahren gezielt Königinnen zu züchten. In den vergangenen Jahren unserer Imkertätigkeit, haben wir unsere Bienenvölker durch Nachschaffungszellen oder zugekaufte Königinnen verjüngt.

Im Zuge des besuchten Königinnenzuchtkurses ist auch der richtige Zeitpunkt gekommen, die Königinnenzucht in der Praxis auszuprobieren.

Wir haben uns für das direkte Zuchtverfahren im weisellosen Volk entschieden. Die Vorteile dieser Zuchtmethode haben für uns als Hobby Imkerei überzeugt.

Vorteile

  • Wir müssen keine Wartezeit von 9 Tagen abwarten
  • Direkter Start der Zucht ist möglich
  • Schneller Erfolg
  • Kein Ausbrechen der Weiselzellen nötig nach der 9 tätigen Wartezeit – unerwünschte Weiselzellen können aber trotzdem entstehen!
  • Sehr gut geeignet für Magazin Imkerei (z.B. Dandant)

 

Nachteile

Natürlich hat jede Zuchtmethode auch ihre Nachteile

  • Annahme möglicherweise nicht so gut wie bei der weisellosen Zuchtmethode
  • Somit schlussendlich etwas weniger Königinnen

Wir hatten zwar schon Erfolgszuchten von über 95% Annahme, was für uns absolut ausreichend ist.

 

Was wird für die Königinnenzucht benötigt?

Damit mit der Nachzucht von Königinnen im direkten Verfahren begonnen werden kann, sollte zuerst geprüft werden ob alles für die Zucht vorhanden ist.

Anbei eine kurze Aufstellung der wichtigsten Dinge die für die Königinnenzucht benötigt werden. Nicht erstaunt sein, es sind nicht viele Dinge die benötigt werden:

  • Spendervolk bzw. eine Brutwabe mit jüngster Brut zum Umlarven vom nachzuchtwürdigem Bienenvolk.
  • Pflegevolk für die Aufzucht der Königinnen bis kurz vor dem Schlupf
  • Zuchtrahmen
  • Umlarvlöffel – mit dem Chinesischen Umlavlöffel haben wir sehr gute Erfahrungen, ist aber natürlich Geschmacksache
  • Eine Stirnlampe – damit die jüngsten Maden auch gefunden werden
  • Käfige zum Verschulen der Weiselzellen
  • Begattungskästchen (Apidea – Mini Plus) für die optimale Begattung z.B. auf einer Begattungsstelle
  • Imkerutensilien für die Arbeit (Stockmeissel – Smoker usw.)
  • Evtl. etwas Futterteig für die Reizfütterung IM VORAUS des Pflegevolkes

Spendervolk aussuchen

Das ist das Bienenvolk, von welchem man die Genetik (Verhalten, Putztrieb, Schwarmträgheit) weiter erhalten will. Die Auswahl sollte somit mit Bedacht durchgeführt werden, hängt doch das Verhalten der Nachfahren davon ab.

Neben der Auswahl des optimalen Spendervolkes ist in einem späteren Schritt die optimale Begattung der Königinnen ein sehr wichtiger Punkt (Belegstellen).

Eigenschaften vom Spendervolk

Die Qualität des verwendeten Zuchtstoffes ist ausschlaggebend für optimale Zuchtergebnisse.

Nachfolgend die wichtigsten Eigenschaften die ein Spendervolk von Zuchtstoff aufweisen sollten:

  • Sanftmütig (wir wollen ja keine Stecher vermehren!)
  • Einwandfreie Gesundheit 
  • Geschlossenes Brutnest (kein lückenhaftes Brutnest)
  • Geringer Schwarmtrieb
  • Guter Putztrieb (Erkenbar: z.B. sauberer Beutenboden im Vergleich zu anderen Völker)
  • Baufreudig (aber keine Wirrbau Völker – ausser Du stehst darauf:))
  • Ausgeglichenes Brut- Bienenverhältnis
  • Wabenstetig (Heisst: Die Bienen fliegen beim Ziehen der Waben nicht direkt auf)

 Pflegevolk vorbereiten – 1. Schritt

Am 18.5.2014 haben wir uns aus einem Volk, welches durch eine Reinzuchtkönigin regiert wird, eine Wabe mit jüngster Brut als Zuchtstofflieferant geholt. Ein starkes, weiselloses Pflegevolk haben wir bereits im Voraus hergerichtet.

Dies bedeutet, dass wir die Königin aus diesem Volk entnommen haben! Ausserdem wird Platz für den Zuchtrahmen geschaffen. Dazu wird in der Mitte der Brutwaben die Wabengasse vergrössert, damit nach dem Umlaven direkt der Zuchtrahmen zugehängt werden kann. Im folgenden Bild ist eine mögliche Anordnung der Waben ersichtlich.

 Zur Sicherheit ist es sehr empfehlenswert das Volk noch auf mögliche, vorhandene Weiselzellen zu untersuchen! Ansonsten war es das mit Deiner Zucht:)

Das Pflegevolk wird wieder geschlossen und in Ruhe gelassen. 

Eigenschaften vom Pflegevolk

Natürlich werden auch an das Pflegevolk gewisse Anforderungen gestellt. Um eine gute Pflege zu gewährleisten sind folgende Punkte sehr wichtig für eine erfolgreiche Königinnenzucht:

  • Pflegevolk muss eine einwandfreie Gesundheit aufweisen
  • Grosse Volksstärke
  • Eng sitzend (eher 6-8 als 12 Dadant Brutwaben)
  • Viel Futter, viel Pollen

Umlarven – 2. Schritt

Für das Umlarven verwenden wir den Chinesischen Umlarvlöffel. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Spitze vor Gebrauch bereits leicht gebogen wird (Achtung in die richtige Richtung, zum Abstreifer hin). Danach die Spitze leicht anfeuchten und seitlich durch den Futtersaft unter eine maximal 1-3 tägige Larve (Made) schieben.

Die jüngsten Maden befinden sich auf dem Brutnest meistens neben den gestifteten Eiern und es sind natürlich die kleinsten Larven.

Mit etwas Übung bleibt die junge Larve in einem Teil Futtersaft auf der Spitze liegen. Es empfiehlt sich wirklich nur die jüngsten Larven für die Zucht zu verwenden! Diese sind zwar schwerer umzularven, aber ergeben auch die besseren Königinnen und die Annahme der Pflegebienen ist besser.

Diese Larve platzieren wir in einem Weiselnäpfchen. Dieses montieren wir an den bereits im Voraus befestigten Haltern an einem vorbereiteten Zuchtrahmen. Für den Zuchtrahmen haben wir einen leeren Brutrahmen mit einer Zwischenstrebe versehen (je eine Schraube auf beiden Seiten, somit bleibt die Strebe drehbar was das Anbringen der Käfige erleichtert). Wir verwenden für die Königinnenzucht das System der Firma Nicot.

Tipp: Um die Annahme der Larven zu begünstigen praktizieren wir das feuchte Umlarven. Vor dem Umlarven des Zuchtstoffes geben wir je einen Tropfen Gelée royale in die Weiselnäpfchen. Somit liegen die jungen Larven auch nicht ganz auf dem Trockenen.

Das Umlarven erfordert natürlich etwas Übung. Mit der Zeit geht es aber sehr gut von der Hand.

Zuchtplan für die Zucht im direkten Verfahren – 3. Schritt

Die Bienenzucht folgt ganz bestimmten Abläufen und in festgelegten Zeitabständen müssen Handlungen vorgenommen werden. Hier spielen die Anzahl Tage zwischen den einzelnen Schritten (Verschulen, Schlupf) eine wichtige Rolle! Werden die Zeitabstände nicht eingehalten kann dies den ganzen Zuchtdurchlauf gefährden!

In der unteren Tabelle ist ein einfacher Zuchtplan für die Zucht im weisellosen Volk vom Beginn (alte Königin entnehmen) bis zum Schluss (Auffuhr Belegstation) tabellarisch aufgelistet.

TagBeispiel DatumTätigkeit
01. MaiKönigin aus dem Volk entfernen und das Volk auf Weiselzellen untersuchen und gegebenfalls ausbrechen - Wabengasse für den Zuchtrahmen vorbereiten.
56. MaiKontrolle ob die Zucht angenommen worden ist
- Prüfen ob auf anderen Waben wilde Weiselzellen gebaut worden sind. Diese müssen ausgebrochen werden.
910. Mai1. Möglichkeit zum Käfigen der Königinnenzellen (inkl. 3-4 Begleitbienen) - Je früher die Zellen geschützt werden je weniger kann mit dieser Königin schief laufen.
1011. Mai2. Möglichkeit zum Käfigen der Königinnenzellen. An diesem Tag ist letzte Eisenbahn! Um zu verhindern, dass die weiteren Zellen durch die erste geschlüpfte Königin geöffnet werden, müssen am 10. Tag spätestens die Zellen verschult sein!
1213. MaiTag der grossen Arbeit! Die Königinnen müssen aus den Käfigen befreit und in die vorbereiteten Begattungskästchen logiert werden. Es kann sehr gut vorkommen, dass eine Königin noch nicht geschlüpft ist. In diesem Fall einfach die Zelle in das Kästchen einhängen. Eine Kontrolle mittels Durchleuchtens gibt auch Aufschluss, dass die Königin am Leben ist.
Danach werden diese Begattungskästchen für 2-3 Tage in Kellerhaft genommen (kühler, dunkler Keller). Mittels Wassersprüher versorgen wir die Bienen täglich mit etwas Wasser, welches wir durch das Lüftungsgitter der Begattungskästchen sprühen.
1516. MaiAuffuhr auf die Belegstation oder Standbegattung. Begattungskästchen auf die Belegstation bringen oder für Standbegattung aufstellen. Vorher noch kontrollieren ob auch alle Königinnen in ihren Einheiten geschlüpft sind.

Was passiert nach dem Schlupf? Begattungsflug

Tipp: Wie wir die Apidea Begattungskästchen befüllen findest Du in einem anderen Artikel!

Nach dem Abfüllen der Begattungseinheiten und dem Absitzen der Kellerhaft stehen folgende Mögichkeiten zur Auswahl:

  • Auffuhr auf Belegstelle
  • Standbegattung
  • (Künstliche Besamung)

Begattungsflug der Königin

Die Königinnen fliegen im Alter von 5 bis 12 Tagen das erste Mal aus und erkunden ihre Umgebung. Die beste Tageszeit um dieses Schauspiel evtl. sogar live mitzuerleben ist am Nachmittag zwischen 13 und 17 Uhr. Die Temperaturen sollten um die 20 Grad liegen und schönes Wetter herrschen. Die Begattungsflüge dauern im Schnitt eine halbe Stunde. Eine Königin kann mehrere Male zu einem Begattungsflug aufbrechen.

Eilage

Nach der Begattungsphase muss das Begattungsvölkchen auf Eilage geprüft werden. Bei guten Bedingungen geht eine gute Königin nach der Begattung sehr schnell in Eilage. Normalerweise beginnt eine Königin zwischen dem 8. Und 18. Alter (Lebensalter in Tagen) mit der Eilage. Legt eine Königin nach 3 – 4 Wochen noch keine Eier sollte diese Königin nicht verwendet werden.

Abschliessend: Optimale Zuchtbedingungen

Folgende Punkte sollten für einen guten Zuchterfolg von eigenen Königinnen beachtet werden:

  • Die Schwarmzeit ist die beste Zeit für die Königinnenzucht
  • Ausgeglichene Trachtverhältnisse
  • Grosse Anzahl an Pflegebienen im Pflegevolk!
  • Gutes Wetter für die Begattungsflüge der Jungköniginnen
  • Optimales Befüllen der Begattungseinheiten, damit sich die Bienen wohlfühlen

Anhang: Bilder erste Zucht (2014)

Zum Schluss noch einige Bilder aus der ersten Zucht (Jahr 2014). Leider wurden nur rund 7 von 18 Larven angezogen. Beim zweiten Versuch mit einem anderen Pflegevolk wurden hingegen dann fabelhafte 17 von 20 Zellen angezogen.